Urlaubsorte entlang der Ostsee → Mecklenburg-Vorpommern → Nordvorpommern → Insel Rügen → Putbus
Im Südosten der Insel Rügen liegt das Residenzstädtchen Putbus. Die jüngste Stadt auf der Insel Rügen besticht mit ihrer historischen Architektur und ästhetischer Schönheit. Weiße klassizistische Villen. Sie umgeben ein großzügig angelegtes Rondell, den Circus. Weiße Rosen. Sie versprühen einen zeitlosen Charme. Wer einst ein Haus kaufte, ging auch die Verpflichtung ein, einen Rosenbusch zu pflanzen. Mittlerweile ein Brauch, der fortbesteht.
Die Weiße Stadt wurde 1810 von Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus (1783–1854) gegründet. Auf sein Geheiß sollte die Stadtanlage mit dem Schloss und dem Schlosspark korrespondieren, das hieß modern und einheitlich im Stil geschaffen werden.
Putbus Entwicklung zu einem modernen Badeort begann im Jahr 1816. Man lud als 2. Badeort auf der Insel (nach Sagard), aber als ersten Seebad Feriengäste zum Baden ein. Der Adel nahm das Angebot gerne an. Obwohl erheblicher Aufwand betrieben wurde, konnte Putbus seinen Ruf als „irdisches Paradies“ nicht erhalten, denn Adlige und Bürgerliche strebten nach räumlicher Trennung bei ihren Vergnügungen. Und wesentlich auch: der Bodden mit kleinerem Wellengang war nicht die Ostsee.

1889 erhielt Putbus einen Anschluss an die Eisenbahn. Vorerst trafen Züge aus Bergen ein. Sechs Jahre später erweiterte man die Strecke nach Binz. Noch heute verkehrt hier die Kleinspurbahn „Der rasende Roland“.
Der Circus, das Herzstück der Stadt, entstand 1833.
Wer einen Eindruck von der Schönheit eines einzigartigen Ensembles bekommen möchte, sollte sich den Circus in der Stadtmitte ansehen. Der Platz mit 16 Häusern im Rondell spiegelt die schlichte Eleganz der Fürstenstadt wider. Nach einer schrittweisen Sanierung der Gebäude erstrahlen diese wie einst in strahlendem Weiß.
In der Mitte des Plates steht ein Obelisk. Acht sternförmige Wege laufen auf den Steinpfeiler zu. Dazwischen gibt es großzügige keilförmige Rasenflächen. Der Circus ist streng symmetrisch gestaltet.
Der Obelisk wurde 1845 eingeweiht und erinnert an die Gründung von Putbus. Er ist 21 m hoch.
Das Pädagogium ist das größte Gebäude am Circus. Liebevoll wird es „Pädschen“ genannt.
Nach seiner Fertigstellung beherbergte es das 1836 gegründete Gymnasium mit Alumnat, eine kaiserliche Bildungseinrichtung. 1919 begann man als staatliche Institution zu lehren. Das Pädagogium hatte einen ausgezeichneten Ruf und galt als die wichtigste höhere Bildungseinrichtung in Pommern.
Eine neue Ausrichtung ergab sich im Jahre 1941, als das Gebäude für die Nationalsozialistische Erziehung genutzt wurde.
Von 1946 bis 1975 bildete man hier Lehrer aus. Bis 2000 befand sich im Pädagogium eine Sonderschule für Hörgeschädigte.
Von 2002 bis 2014 etablierte sich hier eine Höhere Berufsfachschule für Informatik, das IT-College Putbus.
Das Putbusser Theater ist eine Spielstätte von historischer Bedeutung. Als Zeitzeuge erzählt das Gebäude über die Zeit, in der es entstanden ist.
Die Errichtung des klassizistischen Gebäudes geht auf die Jahre 1819–1820 zurück. Fürst Malte I. erteilte den Auftrag für den Bau. Es entstand ein rechteckiges zweigeschossiges Bauwerk. Der Theatersaal verfügt über eine sehr gute Akustik. Die 244 Sitzplätze schließen die 2 Ränge mit ein.
Viele Umbauten fanden statt, so von 1992 bis 1998. Die alte Bausubstanz blieb meistens erhalten.
Die Hauptfront des Bauwerks liegt in der Alleestraße. Die Giebelfront wendet sich dem Marktplatz zu.
Heute gehört das Theater Putbus zu den Theatern Vorpommern. Im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wird es gern besucht. Und es ist Teil der Deutschlandroute historischer Theater.
Zu den schönsten Parkanlagen im Norden Deutschlands zählt der Schlosspark in Putbus. Er ist durch seine stilvolle Gestaltung als auch durch seine Geschichte interessant. Ursprünglich wurde die Anlage nach französischem Vorbild in strenger Symmetrie gestaltet. Ab 1904 begann man, Solitärbäume, Baumgruppen, auch auf einer kleinen Anhöhe, und weite Rasenflächen in das Ensemble einzufügen. Blickachsen entstanden. Natürlich wirkende Gewässer eingearbeitet. Diese Elemente auf 75 ha Fläche gaben dem Schlosspark den Charakter eines englischen Landschaftsparks. Der ganze Umbau verlief parallel zur Stadtentwicklung. Heute ist der Schlosspark ein Teil des UNESCO Biosphärenreservats, das ganzjährig zugänglich ist.
Wilhelm Malte I. wollte den Park zu etwas Besonderem machen. 1818 entstand die Orangerie,11821-1824 ein Marstall, 1830 ein Affenhaus, 1867 ein Mausoleum und 1891/92 eine Schlosskirche.
Er hat den Ort entscheidend geprägt. Um ihm für sein Schaffen zu danken und um es zu würdigen, ließ die Fürstin Luise 1859 von Friedrich Drake ein Denkmal im Schlosspark errichten. Es entstand ein überlebensgroßes Standbild, gemeißelt aus weißem Marmor.
Ehrung widerfuhr einer weiteren Person. Einen ursprünglich für ein Hünengrab verwendeter Deckstein wurde 1901 zur Ehrung des Reichskanzlers Otto von Bismarck im Schlosspark aufgestellt. Bekannt als der „Bismarkstein“.
Das Schloss – einst Mittelpunkt der Parkanlage.
Das Bauwerk war zeitweise das größte weltliche Gebäude auf der Insel. Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts verfiel das Schloss zunehmend. Leider kam es 1962 zur Sprengung des Fürstenschlosses und zur Abtragung der Trümmer. Lediglich die Seeterrasse mit Springbrunnen am Schwanenteich erinnert an die einstige Pracht. Das Fürstenschloss, erbaut 1827–1832, ist Gegenstand einer Ausstellung in der Alten Schmiede. Sie kann von Mai bis Oktober besucht werden.
Die Orangerie ließ die Fürstenfamilie errichten, um fremdländische Gewächse zu akklimatisieren. Das langgestreckte Galeriegebäude stammt aus dem Jahre 1853. Es wurde vom den Berliner Architekten August Stüler gestaltet. Zu Beginn des Jahres 1996 erfuhren Teile der Orangerie eine größere Rekonstruktion. Der spätklassizistische Bau wird heute als Galerie für Kunstausstellungen und Veranstaltungen genutzt.
Die in den Park führende Treppe flankieren zwei Löwen. Es sind die Löwen vom damaligen Schlossportal.
Ursprünglich hatte der Marstall seine Bestimmung als Pferdestall. Das 18achsige klassizistische Gebäude mit einem Satteldach, 16 Rundbogenfenstern und drei Rundbogenportalen entstand nach Plänen von Johann Gottfried Steinmeyer. Er war einer der bedeutendsten Architekten für die Insel Rügen.
Nach der Wende wurde das bis dahin dem Verfall überlassene Gebäude liebevoll restauriert. In den historischen Räumlichkeiten lebt die Kulturgeschichte der Region. Sie werden verschieden genutzt, bilden die Kulisse für besondere Anlässe. Im Sommer ist der Marstall eine Spielstätte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommerns.
Das Affenhaus wurde auf Wunsch der Fürstin Luise zu Putbus erbaut. Es diente zur Schaustellung von exotischen Affen.
Seit 1994 kann man im Affenhaus eine beeindruckende Sammlung verschiedener Puppen, Plüschtiere und Spielzeug aus drei Jahrhunderten sehen.
Tipp Öffnungszeiten: April-September täglich 11-18 Uhr, Oktober-März Di-So 12-17 Uhr
In den Jahren 1891/1892 baute man den Putbusser Kursalon, der als Tanz-, Spiel- und Speisesalon diente, zur Schlosskirche um. Nach Abtragung des Obergeschosses und der Umgestaltung der offenen Arkaden zu Fenstern ergab sich der dreischiffige Kirchenraum.
Die Eingangshalle entstand aus Teilen des Nordflügels. Sie erhielt zwei Turmgeschosse im Stil eines Campanile.
Im südlichen Anbau schuf man Wohnungen und eine Sakristei („Michaelskapelle“).
Sehenswert ist das Uhren- und Musikgerätemuseum in Putbus mit über 1000 Exponaten aus der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Das Museum präsentiert sich in sieben Ausstellungsräumen.

Wer sich für die Frühgeschichte Rügens begeistert, findet in den Großsteingräbern bei Nadelitz ein spannendes Ausflugsziel. Die Jahrtausende alten Megalithanlagen liegen leicht versteckt in kleinen Bauminseln auf dem Acker nahe Putbus und laden zur Spurensuche in die Steinzeit ein.

Ein Spielplatzbesuch im Ortsteil Lauterbach lässt sich ideal in einen erholsamen Spaziergang durch die nahegelegene Goor-Promenade im Ortsteil Lauterbach integrieren.
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Beitrag: Brigitte Hildisch Rövershagen