Ostsee

Kraniche beobachten - ohne zu stören

So beschreibt ein Faltblatt, herausgegeben vom Nationalparkamt, mit wenigen Worten, wie man sich als Betrachter Kranichen nähern sollte. Dieser stattliche Vogel zieht seit Ewigkeiten zweimal im Jahr durch unsere Region.

Beitrag: Brigitte Hildisch in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Helga Konow, Nationalparkamt Vorpommern

Der Graue Kranich - Grus grus


Grauer KranichMerkmale des Grauen Kranichs
Der Graue Kranich (Grus grus) ist einer der größten Zugvögel Europas, denn seine Körpergröße kann sogar bis zu 1,20 m betragen. Seinen Namen erhielt er nach seinen schiefergrauen Gefiederfarben. Die Farbe des Kopfes erscheint in schwarz-weißen Tönen. Auffällig ist ein leuchtend roter, unbefiederter Fleck auf seinem Kopf. Seine Flügelspanne erreicht 2,20 m.
Die Geschlechter unterscheiden sich kaum in Größe und Gewicht. Männliche Tiere erreichen ein Gewicht von 7 kg, weibliche bis zu 6 kg.
In der Luft ist der Kranich an seinem Flugstil erkennbar. Es ist zum einen der lange, vorgestreckte Hals und zum anderen sind es die langen Beine, die auf einen Kranich hinweisen. Die Beine überragen den Schwanz beim Fliegen.

Vogelzug im Frühjahr und "Tanz der Kraniche"
Je nach Witterungsbedingungen tangieren ab Mitte Februar die ersten Kraniche auf ihrem Rückflug in die Brutheimat Mecklenburg-Vorpommern. Etwa Ende März/Anfang April fliegen dann die letzten Richtung Norden. So eine Gruppe eintreffender Vögel weist oft nur eine kleinere Anzahl von Kranichen auf. Sie bleiben kurz, eigentlich nur, um vor der Überquerung der Ostsee noch einmal nachzutanken. Bei sehr guten Bedingungen wird auch gleich durchgeflogen, ein Anblick, den man an weiten Strecken der Ostseeküste erleben kann: eine in Pfeilformation hoch am Himmel fliegende Gruppe, die durch trompetenartige Rufe auf sich aufmerksam macht. Bei den zwischengelandeten Kranichen kann man so manches Mal auch schon Balzrituale beobachten, den "Tanz der Kraniche". Dabei schreiten die Vögel umeinander herum, drehen sich oder nicken mit ihren Köpfen. Die Flügel sind eindrucksvoll aufgestellt, um die ganze Pracht ihres Federkleides zu enthüllen. Der Tanz wird lautstark begleitet von trompetenartigen Rufen. Zum Höhepunkt ihres Balzrituals, das mit der Paarung der Kraniche endet, kommt es aber erst im Brutrevier.

Brutrevier der Kraniche
Das Brutrevier ist für 80% der hier durchziehenden Kraniche ein Platz in wasserreichen Bruchwäldern, Mooren oder Uferzonen verlandeter Seen in Skandinavien. Für die restlichen 20% sind es Brutplätze in Osteuropa, das heißt in den entsprechenden Lebensräumen des Baltikums oder Polens. In der Regel kehren Kraniche immer an ihre angestammten Brutplätze zurück.

Brutpflege und Aufzucht der Jungvögel
Kraniche sind Bodenbrüter. Sie errichten ihre Nester im feuchten Gelände mit Wassertiefen zwischen 30 und 60 cm, damit ihre Gelege und später auch die Jungvögel vor Feinden wie dem Wildschwein oder dem Fuchs sicher sind.
Ein Kranichnest kann einen Durchmesser von mehr als einem Meter haben. Es wird aus verschiedenartigsten Pflanzenmaterialien errichtet und bleibt während des Brutgeschehens ständige "Baustelle".
Nach 29 bis 31Tagen schlüpfen die Jungvögel aus den grün-braun gesprenkelten Eiern, meistens liegen 2 Eier in einem Nest. Das Elternpaar kümmert sich abwechselnd um die Brutpflege. Um Nahrung zu suchen, sind sie gezwungen, sich oft auf ausgedehnte Wanderungen zu begeben. Kraniche sind Nestflüchter. Die Jungvögel wachsen schnell heran und bereits nach 10 Wochen haben sie die Fähigkeit erworben, längere Strecken zu fliegen. Kraniche können eine Fluggeschwindigkeit von über 100 km/h erreichen. Um während des Fliegens Kraft zu sparen, legen sie weite Strecken im Gleitflug zurück. Die Vögel halten dann eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 60 km/h.

Grauer KranichNahrungsquellen
Kraniche ernähren sich als Jungvögel von Insekten, ebenso von Fröschen, Würmern und Schnecken. Später kommen Feldfrüchte, wie Getreide, Mais und Kartoffeln, aber auch Beeren und Knospen hinzu. Ihre Nahrung finden sie in lichten Laub- und Buchenwäldern oder im offenen Grünland. Im Herbst dienen die Rückstände auf abgeernteten Ackerflächen als eine weitere Nahrungsquelle. Mit ihrem eher kurzen Schnabel fressen sie in der Art der Gänse alles, was sich ihnen an der Oberfläche eines Fressplatzes bietet.

Fortpflanzung der Kraniche
Im 3. Lebensjahr sind Kraniche geschlechtsreif. Bereits 1 bis 2 Jahre vor der Reife zur Fortpflanzung gehen sie auf die Suche nach einem geeigneten Brutrevier und beginnen auch, Nester zu bauen.

Schlaf- und Sammelplatz
Mecklenburg-Vorpommern wird ein zweites Mal im Jahr von Kranichen bevölkert. Vor allem in der Rügen-Bock-Kirr-Region, dem größten Rastplatz in Mitteleuropa, sammeln sich die Vögel - nun für ihren Zug nach Süden. Das Gesellige im Verhalten der Kraniche kommt jetzt voll zum Tragen. Sammelplätze umfassen Gewässer mit Flachwasserbereichen, damit die Vögel nachts im Stehen relativ gefahrlos schlafen können. Wenn Feinde sich dem Schlafplatz vom Land her nähern, können Kraniche diese durch Geräusche, die sie beim Durchqueren des Wassers machen, wahrnehmen. Beliebte Schlafplätze sind das Windwatt vor Pramort und die Insel Kirr. Hier rasten pro Jahr so um die 60.000 Tiere.
Mit dem Nationalpark Vorpommersche - Boddenlandschaft werden die ungestörten Rastbedingungen der Kraniche gesichert. Zum Fressen fliegen die Tiere auf das nahe gelegene Festland. Menschen sind als Zuschauer willkommen, dürfen aber vom Kranich nicht ausgemacht werden können.

Vogelzug im Herbst
Die Mehrzahl der Kraniche zieht Ende Oktober oder Anfang November weiter. Bei gutem "Flugwetter" kann man wahre Massenstarts erleben. Hoch oben in der Luft formieren sich die Vögel zu einem Keil. Die erfahrenen Vögel voran, machen sie sich auf den Weg nach Südeuropa oder sogar Nordwestafrika (siehe Grafik), wo sie ihre Winterquartiere haben. Tausende von Kilometern legen sie zurück, um Frankreich, Spanien oder Portugal zu erreichen. Die Gesamtstrecke vom Brutrevier bis zum Winterquartier in Südeuropa beträgt zwischen 2.000 und 6.000 km. Eine Etappeneinteilung ist überlebenswichtig und eben auch der ungestörte Aufenthalt an den Rastplätzen. Jede Störung bedeutet zusätzlichen Aufflug der Tiere, bedeutet verlorengegangene Energie.
Kleinere Trupps, die einem milden Winter standhalten, verbleiben auch in Deutschland.
Wenn Frost die Schlafgewässer zufrieren lässt oder Schnee die Felder bedeckt, verlassen sie allerdings den gewählten Platz für einige Zeit.

Kranichbeobachtung

Für die Beobachtung ist am besten der Herbstzug, der sich über viele Wochen hinzieht, geeignet. Da Kraniche zu den tagaktiven Vögeln zählen, morgens und abends am geschäftigsten sind, sind die Chancen gut, diese Vögel bei ihrer Nahrungsaufnahme oder bei ihrem abendlichen Einfliegen am Schlafplatz zu beobachten.Wo kann ich Kraniche beobachten?

Kraniche-Gruppe

Wer noch mehr über das Leben der scheuen und wachsamen Vögel, ihre Rastplätze und die aktuellen Durchzugzahlen erfahren möchte, sollte unbedingt das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf - eine Einrichtung vom Kranichschutz Deutschland - besuchen.
Wo immer Sie sich auf Kranichtour begeben, sollten Sie nicht vergessen: Beobachten - ohne zu stören.

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