Kirche

Das Bad Doberaner Münster

Quelle: Text und Bilder - Kustos Martin Heider, Bad Doberaner Münster

Das Münster in Bad Doberan, ein Backsteinbau von höchster technischer und gestalterischer Perfektion mit reicher, einzigartiger Originalausstattung, gilt als das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern.

Kurzer geschichtlicher AbrissBad Doberaner Münster
  • 1171 Gründung des Zisterzienserklosters in Althof-Doberan
  • 1179 Zerstörung des Klosters während eines Thronfolgekrieges
  • 1186 Neueröffnung des Klosters an heutiger Stelle
  • 1232 Schlussweihe der romanischen Basilika
  • 1291 Brand im Kloster
  • 1294 Beginn des Neubaus des gotischen Münsters
  • 1368 Schlussweihe des gotischen Münsters
  • 1552 Klosterauflösung durch Reformation - keine Bilderstürme
  • 1564 Magister Kruse wird erster evangelischer Pastor in Doberan
  • 1637 Plünderungen im 30-jährigen Krieg
  • 1638 Sicherungsarbeiten an Dächern und Ausstattung des Münsters
  • 1648 Abtragung von mehreren Klostergebäuden beginnt
  • 1793 Doberan wird Sommerresidenz der Großherzöge
  • 1900 Ende der neogotischen Restaurierung des Münsters
  • 1945 Münster ohne Kriegsschäden und Plünderungen
  • 1984 Ende Generalrestaurierung - Münster auf Rang drei national-bedeutender Denkmäler mit internationalem Kunstwert in DDR
  • 2002 Beginn weiterer umfassender Restaurierungsmaßnahmen
  • 2003 Gottesdienst-, Führungs-, Besichtigungs- und Konzertangebote werden jährlich von ca. 200.000 Besuchern genutzt
  • geplant ist die Antragstellung für das UNESCO- Weltkulturerbe


Münster/Klosterkirche (1)
Die hochgotische Klosterkirche wurde nach 72 Bauzeit im Jahr 1368 geweiht. Das Münster ist eine dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika von neun Joch Länge mit 5/8 Binnen-Chorschluss und umlaufenden, mit fünf Kapellen besetztem Chorumgang und zweischiffigem Querhaus.

Klosterkarte Doberaner Münster

Klostermauer (2)
Die etwa 1400 m lange Klostermauer ist fast vollständig erhalten. Sie wurde von 1283 - 1290 in einem Zuge errichtet und hat eine durchschnittliche Höhe von 2,50 m. In das Kloster führten mehrere Tore, das Haupttor, das Kammer- und das Wirtschaftstor. Das gut erhaltene Westtor war der Haupteingang zum Kloster.

Wirtschaftsgebäude (3)
Im Wirtschaftsgebäude gab es eine Mälzerei, eine Brennerei und Vorratsräume. Im westlichen Seitenflügel wurde eine mächtige Wassermühle betrieben. 1979 brannte das Gebäude durch Brandstiftung aus. Es ist heute beliebter Veranstaltungsort.

Kornhaus (4)
Das Kornhaus gegenüber, um 1280 erbaut, war Speicher für das Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte.

Beinhaus (Karner St. Michael) (5)
Das Beinhaus steht auf dem ehemaligen Mönchsfriedhof. Es diente vom 13. Jahrhundert bis zur Reformation 1552 als letzte Ruhestätte der Mönchsgebeine, die bei der Neuanlegung von Grabstellen auf dem Friedhof gefunden wurden. Der schlanke, achteckige Kapellenbau ist zweigeschossig und besteht aus der Gedächtniskapelle und dem Beinkeller (Ossarium).
Der Bau des Beinhauses wurde um 1240/50 im Stil der frühen Gotik begonnen. Die Ornamentik aus glasierten und unglasierten Steinen an der Außenseite zeigt noch einen spätromanischen Einfluss. Im Inneren befinden sich restaurierte, sehenswerte Wand- und Gewölbemalereien aus dem späten 13. Jahrhundert.
2002 wurde das Beinhaus in die Liste der national bedeutenden Denkmäler aufgenommen.

Wolfsscheune (6)
Im Nordwesten der Klosteranlage steht die zweigeschossige Backsteinruine der Wolfsscheune. Das Gebäude wurde von 1283-90 erbaut und war höchstwahrscheinlich das Siechenhaus des Klosters. 1762 zog eine Wollspinnerei in das Gebäude ein. Später wurde die Scheune dann zu einem Getreidelager umfunktioniert. Ein starker Sturm zerstörte ihr Dach und mit der Zeit verfiel das Bauwerk zur Ruine. Auffällig in den Überbleibseln sind die Segmentbogenfenster.

Woher der Name Wolfsscheune kommt, ist immer noch ein kleines Rätsel?
Vielleicht war ihr Name einst "Wollscheune". Möglich ist auch, dass der nahe gelegenen "Wolfsberg" Einfluss auf die Namensgebung hatte.

virtueller Rundgang durch das Doberaner Münster
Münster Bad Doberan
Entdecken Sie auf einer virtuellen Tour das Doberaner Münster!

virtueller Rundgang durch das Doberaner Münster
Bild Bedeutende Ausstattungsstücke
Klostermodell Rundgangbeginn am Klostermodell
rechter Hand vom Eingang; Gebäudebestand zur Zeit der Klosterauflösung 1552.
Mühlenaltar Mühlen-Altar
um 1410/ 20
Grabmal Herzog Johann Albrecht II. und seiner Frau Elisabeth Grabmal Herzog Johann Albrecht II. (†1920) und seiner Frau Elisabeth (†1908)
nach byzantinischen Vorbildern errichtet
Kapellenausmalung: Reste neugotischer Restaurierung 1896-98
Memorialstatue von Magnus II. Memorialstatue von Magnus II. (†1503)
mit Totenbinde um den Kopf
Grabtumba für Schwedenkönig und Herzog Albrecht III. Grabtumba für Schwedenkönig und Herzog Albrecht III. (†1412),
beigesetzt im Oktogon und Frau Richardis (†1377)
Oktogon Oktogon:
achteckige Begräbniskapelle mehrerer mecklenburgischer Herzöge, errichtet oder umgebaut um 1420
Grabmal und Gruft des Herzogs Adolf Friedrich I. von Mecklenburg Grabmal und Gruft des Herzogs Adolf Friedrich I. von Mecklenburg (†1658) und Frau Anna Maria von Ostfriesland (†1634)
Grabtumba der Königin Margarete von Dänemark Grabtumba der Königin Margarete von Dänemark (†1282)
Förderin des Klosters zum Heiligen Kreuz in Rostock, älteste Grabplastik in Mecklenburg-Vorpommern, älteste Frauen-Grabplastik aller Zisterzienserklosterkirchen europaweit
 
Corpus-Christi-Altar mit Abendmahlstafel (um 1330)
Altar der goldenen Engel
Altar der Kreuzigung Christi durch die Tugenden (um 1340)
Grabanlage des Grafen Samuel von Behr Grabanlage des Grafen Samuel von Behr (†1621),
Kanzler und Erzieher von Adolf Friedrich
Daneben und gegenüber Hirschgeweih und Schwan, erinnern an die Kloster-Gründungslegende.
Pribislavkapelle Pribislavkapelle,
Begräbnisstätte und Kapelle des mecklenburgischen Fürstenhauses seit 1302
  Bildnis von Friedrich Franz I.,
dem Gründer des ersten deutschen Seebades Ostseebad Heiligendamm 1793
Kapelle der Familie von Bülow
(Innengestaltung von 1873)
 
Grabplatte von Magister Kruse (†1599),
erster lutherischer Pastor
  Orgel von Schuke Potsdam; 1980;
3220 Pfeifen
zusammengefügte Reste mittelalterlicher Verglasung, Gedenktafel zusammengefügte Reste mittelalterlicher Verglasung
(um 1300)
 
Tafel zum Gedenken an die Opfer des ersten Weltkrieges
Granitsarkophag des Großherzog Friedrich Franz I. Granitsarkophag des Großherzog Friedrich Franz I. (†1837)
Begründer des 1. deutschen Seebades im Jahre 1793.
  Gestühl der Herzöge (19. Jh.),
zum Teil aus mittelalterlichem Mönchsgestühl gefertigt.
Hauptschiff Blick von der Westwand
in das Hauptschiff der Kirche mit Laiengestühl (13-19. Jh.) und Kreuzaltar (um 1360), der den ehemaligen Mönchschor im Ostteil der Kirche zum Laienchor im Westen trennte
Astronomischen Uhr Ziffernblatt der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Astronomischen Uhr;
um 1390
Mönchsgestühl, Doppelseitiger Kreuzaltar, Romanischer Taufstein Mönchsgestühl mit aufwendigen Schnitzereien;
begonnen um 1300
 
Doppelseitiger Kreuzaltar um 1360;
trennte den Raum der Laienmönche zu den Mönchen; monumentalste Werk seiner Art in Europa.
 
Romanischer Taufstein
aus zerstörter St. Marienkirche Wismar.
Mitteralterliche Verglasung im Fenster zusammengefügte Reste wertvoller mittelalterlicher Verglasung (um 1300)
mit figürlichen Darstellungen von Maria mit dem Christuskind und dem Evangelist Johannes
Chorgestühl der Mönche, Kanzel Kanzel
im Jahr 1868 von Tobias Weis aus München gefertigt und sehr gelungen in das mittelalterliche Chorgestühl der Mönche eingegliedert
 
Chorgestühl der Mönche
aus dem 14. Jahrhundert, Eichenholz; in den Gestühlsreihen standen die Mönche täglich sieben Mal zu den Tageszeitgebeten
 
Aufwendige Schnitzereien
an des Baldachinen des mittelalterlichen Chorgestühl der Mönche aus der Zeit um 1310; annähernd jede Rosette hat ein anderes ornamentales Muster
Adler-Lesepult, Leuchter mit Marienfigur Adler-Lesepult (19. Jh.)
vom Doberaner Meister Steusloff
 
Leuchter mit Marienfigur von 1290,
seit 1400 als apokalyptische Madonna, Figur ursprünglich im Hochaltarmittelfeld
 
Leviten- oder Ministrantengestühl,
14. u. 19. Jh.
Kredenzschrank Kredenzschrank
Bereitungsschrank für die Eucharistiefeier, um 1300 aus Eichenholz gefertigt war der Schrank ursprünglich in der Chorschranke eingefügt
Hochaltar Hochaltar
= Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte weltweit, um 1300, unbekannter Meister
Flügel links: Geburt; rechts: Passion Christi; darunter: zugeordnete alttestamentliche Szenen u. Apostelreihe; Mittelschrein im 17. Jh. des Inhaltes beraubt.
Sakramentsturm, Kelchschrank Sakramentsturm (Tabernakel)
= ältester Sakramentsturm in Deutschland, um 1360, 11,60 m hoch
bis zur Reformation Aufbewahrung der geweihten Hostie
 
Kelchschrank
sehr seltenes Ausstattungsstück, um 1310
ehemals Aufbewahrungsort der liturgischen Geräte (Kelche, Patenen, Kannen, Löffelchen)
Originalmalerei auf den Innenseiten der Türen mit der Darstellung des Priesterkönigs Melchisedek.

Kontaktdaten zum Bad Doberaner Münster
Münsterverwaltung
Kustos Martin Heider
Klosterstraße 2
18209 Bad Doberan
Tel. 03 82 03 - 77 95 90
E-Mail: verwaltung@doberanermuenster.de

Bad Doberaner Münster Öffnungszeiten
Mai - September
Mo-Sa 09.00 - 18.00 Uhr
So- u. Feiertag 11.00 - 18.00 Uhr
 
März, April, Oktober
Mo-Sa 10.00 - 17.00 Uhr
So- u. Feiertag 11.00 - 17.00 Uhr
November - Februar
Mo-Sa 10.00 - 16.00 Uhr
So- u. Feiertag 11.00 - 16.00 Uhr
 
Karfreitag u. Heiligabend
nur zu den Gottesdiensten geöffnet.

Führungen durch das Bad Doberaner Münster
Führungen / Sonderführungen täglich ab 5 Personen
Besichtigungsentgelt als Beitrag zum Erhalt der Kirche
 
Mai - Oktober außer 24.12. und Karfreitag
11:00 - Münsterführung (Juli/August Do mit Stadtführung)
12:00 - Sonderführung: Deckengewölbe, Turm, Glocken
13:00 - (Juli-August) Sonderführung: Münster, Kloster, Beinhaus
14:00 - Münsterführung
15:00 - Sonderführungen - Themen:
  • Mo Thema Nr. 6
  • Di Thema Nr.7
  • Mi Thema Nr. 5
  • Do Thema Nr. 8
  • Fr Thema Nr. 1
  • Sa Thema Nr. 4
  • So Thema Nr. 3

16:00 - (Juli-August) Deckengewölbe, Turm, Glocken
 
November - April
11:00 - Münsterführung
13:00 - Sonderführ.: Deckengewölbe, Turm, Glocken
Themen der Sonderführung:
  1. Führung Münster mit Außenführung
    Kloster Münster mit seiner international bedeutenden Ausstattung u. Führung durch Klosteranlage u. Beinhaus.
  2. Deckengewölbe-, Turm- und Glockenführung
    Entdeckungsrundgang über mittelalterliches Gewölbe, Dachstuhl, Seilwinde, Glocken; mit Ostseeblick. Gute Wendeltreppe 70 u. 50 Stufen. Max. 30 Personen
  3. Perle der norddeutschen Backsteingotik
    Innen- und Außenführung zu Bau, Baugeschichte, Architektur, Bautechniken und Materialverwendung.
  4. Die bedeutendsten Ausstattungsstücke Mittelalterliche Ausstattung
    u.a. Kelchschrank, Sakramentsturm und sonst nicht zugängliche Bereiche.
  5. Der älteste Flügelaltar der Kunstgeschichte
    Führung zu Entstehung, Bedeutung und Inhalten der Altäre,
    u.a. Hoch- (um 1300), Kreuz- und Mühlenaltar.
  6. Bedeutende Werke gotischer Schnitzkunst
    Führung zu den zahlreichen Schnitzwerken des 14. u. 15. Jh.,
    u.a. Altäre, Chorgestühl und Marienleuchter.
  7. Aus dem Leben von Herzögen und Königen
    Das Münster war Hauptgrablege der mecklenburgischen Fürsten.
    Dazu gibt es viel zu entdecken.
  8. Das Leben der Zisterziensermönche
    Leben, Tagesordnung, Ämter, Kleidung und Nahrung der Mönche im Mittelalter. Mit Beinhausbesichtigung.
  9. Führung für Kinder und Schulklassen
    Juli-August Di+Sa 11:00 öffentliche Führung oder nach Voranmeldung.
  10. Führung kombiniert mit Orgelmusik
  11. Führung in englischer Sprache Bitte frühzeitig anmelden.

Die ehemalige Klosterkirche ist seit Jahrhunderten ein Zeichen des Glaubens und der Hoffnung, ein Ort der Begegnung, aber auch ein Zeichen der Erfindungsgabe des Menschen. Bauwerk, Ausstattung und dessen Erhalt sind ein Gemeinschaftswerk vieler Generationen.

Das Bauwerk von besonderer nationaler Bedeutung mit internationalem Kunstwert trägt trotz ständiger baulicher Bemühungen auch Narben der Zeit.
Viele Schäden sind jedoch nicht auf den ersten Blick wahrzunehmen. Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Bad Doberan ist mit dem Erhalt des Münsters überfordert. In den nächsten Jahren müssen zahlreiche der 70 Fenster, viele Grabplatten und Teile der Innenausstattung restauriert werden.

Der Restaurierungsbedarf bis zum Jahr 2008 liegt bei jährlich 350.000 EUR. Die Förderung durch öffentliche Haushalte und Stiftungen ist nur bei ausreichender Bereitstellung von Eigenmitteln möglich. Wir sind für jede Hilfe dankbar!

Wir garantieren: Jede Spende kommt zu 100 % der Restaurierung zugute!

Spenden erbittet die Kirchgemeinde auf folgendes Spendenkonto:
Bank: Acredobank Nürnberg
BLZ: 76060561
Konto: 505350115
 
Spenden sind steuerlich absetzbar. Spendenquittung bei Angabe Ihrer Adresse (z.B. auf dem Überweisungsträger) erhältlich. Jede Spende hilft uns sehr. Vielen Dank.
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Seite: Doberaner Münster Bad Doberan

www.treffpunkt-ostsee.de 2018

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