Hansestadt

Wismar - der historische Stadtkern eine Erinnerung an prunkvolle Tage

Beitrag: Brigitte Hildisch

Die Altstadt der Hansestadt Wismar wurde 2002 wegen ihrer Einzigartigkeit zum UNESCO Welterbe erklärt.

Stolz und gewaltig ragen die Kirchen Wismars in den Himmel. Drei von ihnen stehen im Wendischen Viertel, die St.-Nikolai-Kirche, die St.-Georgen-Kirche und die Marienkirche. Die Nikolaikirche ist eine der größten Kirchen in Mitteleuropa. Mit 37 m Höhe des Mittelschiffs besitzt sie das vierthöchste Kirchenschiff Deutschlands. Einst war sie ein Anlaufpunkt für Seefahrer und Fischer. Eine weitere Wismarer Kirche, die Heiligen-Geist-Kirche, ist in der Lübschen Straße zu finden.

In der Altstadt lässt es sich wohl am besten nachempfinden, wie Wismar im Laufe der Jahrhunderte aufblühte. Im Jahre 1229 wurde die Stadt erstmalig urkundlich erwähnt. Das Stadtgründungsjahr wird jedoch auf das Jahr 1226 geschätzt. St. Marien und St. Nikolai bildeten noch einzelne Siedlungen, die dann bis 1238 immer dichter zusammenwuchsen. St. Georg gehört seit 1259 zu diesem Siedlungsgebilde.

Wismars Altstadt ist gut erhalten. Hier befinden sich viele der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie auch der historische Marktplatz. Mit einer Seitenlänge von jeweils 100 m ist er ein genau ein Hektar groß und damit der größte Marktplatz Norddeutschlands. Alle historischen Gebäude wurden im Laufe der Zeit saniert und machen Wismar zu einer attraktiven Stadt für Besucher und Einheimische.

Aus dem Jahre 1380 stammt das älteste Bürgerhaus Wismars "Alter Schwede", errichtet im Stil der Backsteingotik. Erst 1878 gab man dem Gebäude diesen Namen, als dort eine Gastwirtschaft einzog. Bis dahin war es ein Haus mit Wohn- und Geschäftsräumen. Im Obergeschoss befanden sich Speicher. Der Name "Alter Schwede" erinnert an die Wismarer Schwedenzeit von 1648-1803. Mit dem Ende des 30-jährigen Krieges (1648) wurde Wismar an die Schwedische Krone übergeben. Die Schwedenzeit dauerte, mit einzelnen Unterbrechungen durch dänische Besetzungen, bis 1803, als der Malmöer Pfandvertrag die Herrschaft der Schweden schließlich beendete.

Das klassizistische Rathaus an der Nordseite des Marktplatzes ist ein weiteres interessantes Gebäude. Es wurde vom Ludwigsluster Hof- und Landbaumeister Johan Georg Barca in den Jahren 1817-1819 errichtet. Das ursprüngliche, im gotischen Stil erbaute Rathaus befand sich an der Ostseite des Marktplatzes und brannte 1350 nieder. Danach erfolgte der Wiederaufbau im spätgotischen Stil an der heutigen Stelle. Als im Jahre 1807 der linke Flügel Rathauses einstürzte, wurde ein Neubau erforderlich. Leider konnten nur wenige Teile der gotischen Bausubstanz im Kellerbereich und der Gerichtslaube im Neubau integriert werden. In seinem Kellergewölbe ist heute eine ständige Ausstellung mit dem Titel "Wismar-Bilder einer Stadt" zu sehen.

Bemerkenswert ist die Wismarer Wasserkunst, ein Bauwerk im holländischen Renaissancestil. Es gleicht einem Pavillon. Der Begriff Wasserkunst war ursprünglich die Bezeichnung für mittelalterliche Schöpf- und Pumpwerke. In Wismar wurde die Wasserkunst als zentrales Wasserreservoir genutzt. Der Bau der Wasserkunst begann im Jahre 1579 nach den Plänen des Baumeisters Philipp Brandin und fand 1602 nach seinem Tode seinen Abschluss durch den Lübecker Meister Heinrich Dammert. Bis 1897 diente die Wasserkunst der Wasserversorgung der Stadt. Zuerst hölzerne und später gusseiserne Rohre führten zu den Quellen von Metelsdorf im Südwesten von Wismar und transportierten das Wasser in die Stadt. Spruchbänder in lateinischer und deutscher Sprache an der Wasserkunst erzählen, wie man sich ehemals mit Trinkwasser versorgte. 1998 erhielt die Wasserkunst ihre zwei bronzenen Wasserspeier "Nix und Nixe" zurück, welche im Laufe der Zeit entfernt und im Schabbellhaus aufbewahrt wurden. Außerhalb des Stadtkerns befindet sich der Alte Wasserturm. Der von Grün umgebene Backsteinturm hat eine Höhe von 26m. Er zählt zu den Wehrtürmen der mittelalterlichen Befestigungsanlage Wismars. Da Wismar mehr und mehr Wasser benötigte, der Turm sich an einem Süßwasserzufluss befand, erteilte der Bürgermeister Anton Scheffel 1685 den Auftrag zum Umbau des Wehrturms. Ab 1715 transportierten hölzerne Leitungen das Wasser zur Wasserkunst auf den Markt.

Wer noch tiefer in die Geschichte Wismars eintauchen möchte, sollte dem Stadtmuseum Schabbellhaus einen Besuch abstatten. Das imposante Gebäude ist nach seinem Bauherrn benannt, dem Bierbrauer und Kaufmann, Ratsherrn und späteren Bürgermeister Heinrich Schabbell. Errichtet wurde der Backsteinbau zwischen 1569-71 ebenfalls nach den Plänen des Baumeisters Philipp Brandin, und das Schabbelhaus gehört somit zu den frühesten Renaissancebauwerken im Baltischen Raum. Durch Wismar führt einer der ältesten regulierten Wasserläufe Deutschlands - die Grube. Sie wurde im 13. Jahrhundert mit Feldsteinen angelegt. Die Grube stellt eine der Verbindungen vom Schweriner See zur Ostsee dar. Weitere Glieder in dieser "Wasserkette" sind die Wasserläufe Mühlenteich, Wallensteingraben und Lostener See. Das Wasser aus der Grube wurde vielfältig genutzt. Jedoch nicht als Trinkwasser, sondern zum Antrieb von Mühlenrädern bzw. als Wasservorrat beim Löschen von Bränden. Die wohl originellste Brücke über die Grube ist die Schweinsbrücke, gleich neben dem Schabbellhaus.

Zwischen den Kirchen St. Georgen und St. Marien befindet sich der Fürstenhof, der Sitz des Wismarer Amtsgerichts. Einst regierten hier die mecklenburgischen Herzöge. Auffallend ist die Architektur. Es besitzt zwei Flügel, die im rechten Winkel zueinander stehen. Der ältere westliche Flügel entstand 1512/13. Typische Elemente der Spätgotik sind erkennbar. Ganz anders dagegen zeigt sich der neue Flügel (1553-55), errichtet im Stil der italienischen Renaissance. In der Schwedenzeit ließ sich hier das Schwedische Gericht (1653-1862), zuständig für die Schwedischen Besitzungen in Norddeutschland, nieder. Die Schmuckelemente mit Terrakotta an der Fassade fertigte der Lübecker Bildhauer Statius von Düren an.

Auf dem Rudolph-Karstadt-Platz steht das Stammhaus der Warenhauskette Karstadt aus dem Jahre 1908. Sein Umbau erfolgte 1931. Rudolf Karstadt gründete 1881 sein erstes Geschäft in Wismar. Beim Betreten des Hauses blickt man in das historische Treppenhaus. Im Erdgeschoss gibt es ein kleines Museum.

Wismar - die zweitgrößte Hafenstadt in Mecklenburg-Vorpommern

Wismar besitzt den südlichsten Ostseehafen. Wismars Hafen ist ein geschützter Hafen, den im Westen der Klützer Winkel und im Norden die Insel Poel umgeben. Er ist für Fischer und Segler von Bedeutung und erfreut sich großer Beliebtheit.

Im Hafen steht das Wassertor, das einzige erhaltene von ehemals fünf Toren, im spätgotischen Stil im Jahre 1450 errichtet. Nur durch dieses Tor gelangte man direkt in den Hafen. Alle Stadttore waren durch eine 4 m hohe Mauer verbunden. Ein besonderes Schmuckelement des Wassertors stellt das Wappen dar.

Das Baumhaus im Alten Hafen zieht viele Besucher an. Es ist ein Barockbau, der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde. Vom Baumhaus aus wurde früher der Hafen bei Nacht oder bei drohender Gefahr mit einer Kette verschlossen, welche vor die Hafeneinfahrt gezogen wurde. So konnte unerlaubten Schiffen das Anlegen im Hafen verwehrt werden. Diese Aufgabe hatten die im Baumhaus untergebrachten so genannten Bohmschlüter, welche ebenfalls auf dem Land die Schlagbäume bedienten. Daher rührt der Name Baumhaus. Vor dem Hauseingang stehen zwei Repliken der ursprünglichen postierten Schwedenköpfe. Sie bilden das Wahrzeichen der Stadt.

Die wirtschaftliche Blütezeit der Stadt basiert auf einen Schutzvertrag aus dem 13. Jahrhundert, als die Städte Lübeck, Rostock und Wismar sich 1259 zu einem Wendischen Städtebund gegen die zunehmende Seeräuberei zusammenschlossen. Auf diese Weise schützten sie ihren Seehandel. Wismar wurde so im Mittelalter ein wichtiges Mitglied der Hanse.

Mitte des 15. Jahrhunderts gab es 182 Brauereien im Ort. Verglichen mit der damaligen Einwohnerzahl wurde ein enormer überschuss an Bier produziert, so dass ein geringer Teil exportiert wurde. Man verlud die Bierfässer auf Lastensegler und brachte sie in andere Hansestädte. Im Laufe der Zeit nahm die Anzahl der Brauereien enorm ab. Heute gibt nur noch das Brauhaus am Lohberg. Es ist beliebt und bekannt wegen der Biere nach alter hanseatischer Tradition und der selbsthergestellten Spirituosen. Ehemalige Speicher und Brauhäuser sind in der Scheunenstraße zu finden. Sie sind an ihren Giebeln und Traufen zu erkennen.

Wismar - Grün durchbricht das Backstein Rot

Der Lindengarten lockt mit seinem alten Baumbestand. Der parkähnliche Garten entstand 1815 auf dem Areal der ehemaligen schwedischen Befestigungsanlage.

Ein Naherholungsgebiet im Köppernitztal hat Tradition. 1903 gab es dort bereits einen Bürgerpark. Viel Grün bietet auch das Gelände, auf dem 2002 die Landesgartenschau stattfand. Mit der Landesgartenschau wurde das Gelände am Bachlauf der Köppernitz, das zwischenzeitlich auch für militärische Zwecke genutzt wurde, erweitert und rekultiviert. Von einem 28 m hohen Aussichtsturm bietet sich ein großartiger Blick über die Stadt.

Außerdem sind auf dem Gelände das Technische Landesmuseum, auch Wismarer Glashaus genannt, und der Heimattierpark Wismar anzutreffen.
Im Tierpark ist einiges zu erleben. So sind neben Wildtieren auch verschiedene Haustierarten zu beobachten. Für alle die Abenteuer lieben, stehen eine Drahtseilbahn, eine Wasserrutsche und andere Vergnügungselemente bereit.


Karte Mecklenburg-Vorpommern - Wo liegt die Hansestadt Wismar?

Karte Mecklenburg-Vorpommern

Ausgangspunkt Hansestadt Wismar - lohnenswerte Ziele entlang der Ostsee

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Hansestadt Wismar
auf einen Blick

  • zweitgrößte Hafenstadt in Mecklenburg-Vorpommern
  • Alte Hafen mit Wassertor und Baumhaus
  • Altstadtkern mit vielen Sehenswürdigkeiten
  • Marktplatz mit klassizistischem Rathaus
  • Bauwerk - Wismarer Wasserkunst
  • Bürgerhaus Alter Schwede
  • Stadtmuseum Schabbellhaus
  • Alter Wasserturm
  • Kirchen
  • Fürstenhof
  • Heimattierpark Wismar
  • Aussichtsturm der Landesgartenschau 2002


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