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Brigitte Hildisch in Zusammenarbeit mit Herrn Vogt, Förderverein Leuchtturm Warnemünde e.V
Stimmt es eigentlich, dass man sich auf dem Warnemünder Leuchtturm wirklich das Jawort geben kann? Nicht ganz. Doch eines ist möglich: Man kann den einzigartigen Moment der Trauung auf sehr originelle Weise noch einmal erleben.
Wie bei jeder Hochzeit erklingt zunächst Musik – nur eben Leierkastenmusik, die zur Begrüßung des Paares einsetzt. In der weiteren Zeremonie geht es maritim zu. Nach der Begrüßung am Eingang zum Leuchtturm mit einem Umtrunk ist als erstes der sportliche Teil der Feierstunde zu absolvieren – die Wendeltreppe führt 135 Stufen hoch auf die zweite Galerie, wo die "Zeremonie" stattfindet. Übrigens bekommen die "Trauwilligen" nicht irgendein Gebräu eingeschenkt. Sie stoßen mit Knurrhahnschnäpschen an, etwas ganz Besonderem aus der Warnemünder Apotheke und das muss nun auch noch aus ganz besonderen Gläsern getrunken werden.
Die Mühe des Aufstiegs lohnt sich – heute nicht nur wegen des einmaligen Blickes über den Kurort und das Meer, sondern, weil auf das Hochzeitspaar und dessen Gefolgschaft schon ein Leuchtturmmann wartet. Wohlgemeinte begleitende Worte stimmen alle auf die feierliche Handlung ein. Dann beginnt das "Verbandeln". Ein Entrinnen ist nicht möglich, denn mit einem 1 m langen Strick wird nach Seemannsart das Brautpaar an den Händen "für alle Ewigkeit" zusammen gebunden. So ein Stück Seil kann höllisch binden.
Auf dem Wege zum Leuchtturm sah die Braut oben an der Reling ein auffälliges Tuch. Wer von den Hochzeitsgästen hat das denn veranlasst? War es gar der Bräutigam? Rätselraten. Auf dem 2 x 3 m großem Tuch liest man eine sehr persönliche Botschaft an die Vermählten. Es kommt eine mühselige Aufgabe auf sie zu - das Stück Stoff muss eingeholt werden. Alle Strippen sind dabei abzuknoten. Zu Erinnerung: Die Knoten sind seemännisch vorbereitet worden. Vielleicht hat auch noch der Wind beim Festzurren der Seile einen zusätzlichen Beitrag geleistet. Das Tuch wird abschließend zusammengelegt, auf Kante natürlich. Unvergessliche spaßige Momente.
Zum Bedauern der Gäste ist die Hochzeitszeremonie beendet. Bleibt noch die Frage, wer sich dieser Art von Trauung unterzieht. Jedes Hochzeitspaar, dass das Bedürfnis hat, seinen gemeinsamen Lebensweg mit Warnemünde oder dem Leuchtturm zu verbinden.
Und - wer die Feierstunde organisiert. Mitglieder des Fördervereins Leuchtturm Warnemünde e.V.. Anfragen bei Herrn Vogt: 0381 - 519 07 71
Der Leuchtturm in Warnemünde wurde im Jahre 1898 in Betrieb genommen. Mehr als einhundert Jahre steht er nun westlich des Alten Stroms, um die Einfahrt in den Seekanal von Warnemünde zu erleichtern.
Bemerkenswert ist sein stabiles Fundament. Dafür rammte man 33 Pfähle in den sandigen Boden, so tief, bis man auf eine tragfähige Erdschicht stieß. 11 m lockeren Bodens waren zu durchdringen.. Für jene Zeit wahrlich keine einfache Herausforderung. Der Bau wurde unter der Leitung des Warnemünder Hafenbaudirektors Karl-Friedrich Kerner ausgeführt.
Bereits im Jahre 1862 gab es einen Entwurf für den Bau eines Leuchtturms. Vor allem sollte die aus dem Jahre 1836 stammende Ziehlaterne durch ein Laternenhaus ersetzt werden. Sie hatte eine Höhe von lediglich 11,35 m. Der Entwurf wurde an den damaligen Rat der Stadt Rostock gerichtet. Streitigkeiten um die entstehenden Baukosten legten allerdings das ganze Projekt noch viele Jahre auf Eis.
Und zwar solange bis die Einrichtung eines effizienteren Leuchtfeuers an dieser Stelle immer notwendiger wurde. Mit dem Siegeszug der Dampfschifffahrt stieg der Schiffsverkehr von und nach Warnemünde merklich an. Mitte des 19. Jahrhunderts spürte man die Auswirkungen der wirtschaftlichen Umgestaltung außerdem in einer deutlichen Zunahme des Warenaustausches übers Meer. Es war das Zeitalter der Industrialisierung. Endlich begann man mit dem Bau.
Schließlich, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, waren alle Arbeiten am Leuchtturm beendet. Anlässlich seiner Einweihung oblag dem Dampfschiff König Christian ein ehrenvolle Aufgabe. Es fuhr auf See hinaus, um die vorausberechnete Reichweite des Lichtes von 16 Seemeilen zu überprüfen. Auftrag erfolgreich ausgeführt.
Bereits nach etwa einem Jahrzehnt begann man die Technik der Lichterzeugung zu verändern:
Eine einschneidende Veränderung für den Betrieb des Warnemünder Leuchtturms brachte das Jahr 1978. Die Anlage wurde fortan von einer Zentrale in Hohe Düne aus ferngesteuert. Und somit wurde die Arbeit des Leuchtturmwärters überflüssig. Karl-Heinrich Stuhr hatte bis dahin als letzter Leuchtturmmaschinist über die Anlage gewacht.
Zur Geschichte des Warnemünder Leuchtturms gehören auch zwei Sanierungen. In den 50er und 60er Jahren zeigten sich erhebliche Risse im Gemäuer, die es unumgänglich machten, das Bauwerk teilweise zu sanieren. Die Arbeiten fanden 1969 ihren Abschluss.
Die 2. Sanierung erstreckte sich über Jahre. 1993 aber war auch das geschafft und der Turm durfte nach 14 Jahren wieder bestiegen werden. Wer glaubt, das alle Renovierungsarbeiten nun für eine kleine Ewigkeit erledigt waren, der irrt. Vor dem jährlichen offiziellem Start der Saison sieht man die Leuchtturmmänner, wie sie ihren "Dienst am Turm" leisten. So bezeichnet man alle anfallenden Reparaturarbeiten. Das geschieht im April - in einem Monat, in dem es oft noch lausig kalt ist. Manchmal fegen östliche Stürme heran und Außenarbeiten kosten auch diesen sturmerprobten Männern Überwindung. Nebenbei bemerkt die Leuchtturmmänner sind Mitglieder des Fördervereins Leuchtturm Warnemünde e.V..
Seit der letzten Sanierung 2007 hat der Warnemünder Leuchtturm sein altes Erscheinungsbild mit dem weißen Schmuckring wieder. Dies war nur möglich nachdem sich das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund und der Förderverein Leuchtturm Warnemünde e.V. die anfallenden Kosten teilten. Den Besuchern des Ostseebades bietet er einen erhebenden Anblick. Sie bewundern ein Bauwerk aus weißen Ziegeln. In regelmäßigen Abständen sind diese weißen Steine bis in Höhe der ersten Galerie durch kleinere grüne Ziegel abgesetzt. Die Kragsteine der 1. und 2. Galerie bestehen aus rotem Sandstein. Das Laternenhaus ist von einem kuppelförmigen Kupferdach bedeckt. Freilich lassen sich noch weitere kunstvolle Details am Äußeren des Turmes entdecken.
Ziemlich unbekannt ist, dass sich unter dem Turm zwei Kellergewölbe befinden. Einer dieser Räume diente als Petroleumlager. Bottiche, die 800 l Petroleum fassen konnten, waren dort aufgestellt. Aus der Tiefe der Kellerräume förderte eine Hand-Pumpe den benötigten Brennstoff für den Brenner in der Laternenstube. Dort oben stand ein Gefäß, das insgesamt 90 l Petroleum fassen konnte. 1,3 l verbrauchte so ein Brenner in der Stunde, um sein Licht zu erzeugen. Der Brenner hatte 5 Dochte.
Der Turm und seine unmittelbare Umgebung sind ein idealer Platz, um kulturelle Veranstaltungen im kleinen und großem Stil stattfinden zu lassen.
So finden sich alljährlich am 1. Januar bei Dunkelheit viele tausende Begeisterte rund um den Leuchtturm ein, um mit dem eindrucksvolle Ereignis "Leuchtturm in Flammen" zu begrüßen. Eine Lasershow schafft die Illusion von einem Turm, in dem Flammen züngeln. Im Einklang mit den Farben des Lichtes werden ausgewählte Musikstücke einer großen Menschenmenge zu Gehör gebracht. Was für ein Effekt!
| Bilder 01.01.2010 |
Tradition ist auch das Adventssingen am Fuße des Leuchtturms. Nach dem Singen verteilen die Leuchtturmmänner Süßigkeiten an die Kinder.
Im Sommer findet alle zwei Jahre eine Benefizveranstaltung zu bestimmten Themen statt. Die Projekte reichen von der Hilfe für Behinderte und Kranke über die Unterstützung des Denkmalschutzes bis hin zur Hilfe für Hochwassergeschädigte.
Ein Anziehungspunkt bildet der Leuchtturm auch während der Warnemünder Woche. Auf einer Bühne am Fuße des Turmes gibt es vielfältige Auftritte verschiedener Künstler. Überhaupt spielt der Förderverein Leuchtturm Warnemünde e.V. für das Gelingen der Warnemünder Woche eine nicht unerhebliche Rolle. Mit seinen Einnahmen sichert er einen erheblichen Teil des kulturellen Programms während dieser Tage. Aber nicht nur hier gibt der Verein Unterstützung, viele Projekte und Veranstaltungen auf dem Gebiet Denkmalschutz, Kultur und humanitäre Anliegen werden im Laufe des Jahres abgesichert.
Zum Schluss sei noch gesagt, die Anzahl der Besucher steigt stetig. Wen wundert’s?
| "Leuchtturm in Flammen": 1. Januar |
| Adventssingen: 1. Adventstag 15 Uhr |
| Öffnungszeiten:
Beginn der Leuchtturmsaison: Ostersonnabend Mai - September täglich 10 - 19 Uhr |
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